Loslassen…und warum es so schwierig ist

Mit der Geburt haben wir bereits eine Pflicht aufgebürdet bekommen. Obwohl wir gerade mal die ersten Eindrücke sammeln dürfen, wird uns eine Identifikationsnummer zugeteilt und im Begleitschreiben, welches wir erst lesen und vielleicht verstehen können, wenn einige Lebensjahre mit immer mehr aufgebürdeten Pflichten vergangen sind, ist zu lesen, dass die Identifikationsnummern bereits Kindern zugeteilt werden, weil schon ab Geburt eine Steuerpflicht begründet sein kann.

Im Fluss der Regeln und Gesetze vergeht Lebenszeit und plötzliche Ausbrüche junger Menschen werden von Erwachsenen bzw. der Gesellschaft auf die Pubertät geschoben, insofern müde belächelt und spätere „Entgleisungen“ umschreibt man mit Phasen, z.B. „Null-Bock-Generation“, depressive Verstimmung oder Midlife-Krise.

Äußerst selten wird man für kritische Äußerungen zu bestimmten Gewohnheitsabläufen als Gesprächspartner ernst genommen. Mit wachsender Anzahl von Lebensjahren werden immer mehr Gewohnheiten meistens stillschweigend übernommen. Wir gehen zur Wahl und begraben unsere Stimme in der Wahlurne, wir schauen uns am Abend die Nachrichten an und unter Umständen richten wir uns danach und natürlich müssen wir uns impfen lassen, schließlich machen das alle und dafür gibt es auch die entsprechende Verordnung. Der berufliche Werdegang ist ebenfalls geprägt von Ordnungen, Anweisungen, Regeln, Vorgaben und Gesetzmäßigkeiten. Zudem muss man sich anpassen können, denn gerade in einem Anstellungsverhältnis gibt es selten Spielraum für eigene (möglicherweise recht kreative) Vorschläge. Auch die Partnerschaft und die damit einhergehende Erweiterung der Strukturen und dementsprechenden (familiären) Anbindungen führt von Beginn an in ein Verpflichtungsgefüge, aus dem Abhängigkeiten entstehen. Der Alltag ist durch festgelegte Abläufe gekennzeichnet und das Umfeld gestaltet die Spielregeln. Den Rest erledigt das System…schließlich bin ich kein Mensch, sondern eine Person, die die Bedürfnisse des Systems befrieden darf. Menschliche Bedürfnisse beziehen sich meist auf körperliche „Ereignisse“, wie gut, dass mir niemand bspw. den Toilettengang abnehmen kann. Allzu oft neigt man dazu, Dinge einfach anzunehmen wie sie sind, ohne sie zu hinterfragen. Wir gehen in der Regel davon aus, dass etwas Niedergeschriebenes, mündlich Verbreitetes oder schon über Jahre gesellschaftlich Etabliertes auch richtig sein muss. Oftmals fehlt es an Mut und Selbstbewusstsein auch mit Veränderungen im kleinen Maßstab etwas Großes bewegen zu können. Man erlebt immer wieder, dass Menschen sagen: „Was macht es denn für einen Unterschied, wenn nur ich etwas verändere?“ Bisherige Gewohnheiten werden nicht abgelegt, weil die Ansicht vertreten wird, dass es keine Auswirkungen hat. Das ist das Resultat eines von Geburt an mit einer Nummer ausgestatteten Lebens und der Identifikation in dem angeblich passenden System dafür.

Wie soll hier LOSLASSEN möglich sein? Der Flügelschlag des Schmetterlings und dessen mögliche Auswirkung erscheint derart unwirklich.

Dennoch…es beginnt in der Regel mit einem Erlebnis.

Abgesehen davon, dass es für einen selbst eine große Erleichterung und Bereicherung ist, nach seinen eigenen Werten und seinem eigenen Willen zu handeln und endlich mit einem freien Gefühl zu leben, entdeckt man plötzlich eine Ungereimtheit in seiner alltäglichen Lebensabfolge und diese geht einem auch nicht aus dem Kopf. Warum sollen chemische Stoffe einem biologischen Körper keinen Schaden zufügen? Auf dem Weg des Erwachens, trifft man immer mehr gleichgesinnte Menschen, die sich ähnlichen Fragen widmen. Plötzlich fühlt man Bestätigung und Unterstützung. Endlich wird man als der Mensch gesehen und akzeptiert, der ausgerichtet auf seine innere Stimme, hin zu einer ausgeglichenen Mitte SEIN Leben gestaltet. Und in diesem Moment kann man feststellen, dass LOSLASSEN das eigene SEIN stärkt, dass die Identifikation nicht über eine Nummer zu einem System, sondern über den Körper hin zu einer Leichtigkeit und Zufriedenheit des Geistes und damit zu einem glücklichen MENSCH SEIN führt. Dieses Gefühl wird jeder auf seine Art und Weise erfahren und das ist der Anfang eines freibestimmten Lebens. Keine Verordnung, Regel oder andere Manipulationswerkzeuge können diesen Moment unterdrücken und den Weg versperren. Alle Sinne erscheinen neu ausgerichtet und erfassen meist Unfassbares. Und gut, dass es unfassbar ist, denn dann wird es auch nicht mehr angefasst.

Mit dem bewussten Erkennen, dem fühlenden Handeln und einer herzlichen Hingabe werden synchronistische Ereignisse erfahren, die jeden Lebensschritt in ein warmes und äußerst intensives Licht hüllen. Diese Geborgenheit erinnert an den Beginn des Lebens im Mutterleib. Diese Innenwelt, eigentlich nur durch ein paar Körperschichten von der Außenwelt getrennt, bietet alles, was benötigt wird, bedingungslos.

Endlich kehren wir wieder mit dem Prozess des Erwachens in das bedingungslose Leben zurück. Und es ist unerheblich, wann der Moment des Erwachsens geschieht, es ist DER Moment, der den Unterschied ausmacht und einem die Möglichkeit bietet, einen anderen Blickwinkel einzunehmen, um LOSZULASSEN und um das zu sehen, was man immer schon gespürt hat.

 Der Seestern

Als der alte Mann bei Sonnenuntergang den Strand entlang ging,
sah er vor sich einen jungen Mann, der Seesterne aufhob und ins Meer warf.
Nachdem er ihn schließlich eingeholt hatte, fragte er ihn, warum er das denn tue.
Die Antwort war, dass die gestrandeten Seesterne sterben würden,
wenn sie bis Sonnenaufgang hier liegen blieben.
„Aber der Strand ist viele, viele Kilometer lang
und tausende Seesterne liegen hier“, erwiderte der Alte.
„Was macht es also für einen Unterschied, wenn Du Dich abmühst?“
Der junge Mann blickte auf den Seestern in seiner Hand
und warf ihn in die rettenden Wellen. Dann meinte er:
„Für diesen hier macht es einen Unterschied!“

(William Ashburne)

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4 Kommentare zu “Loslassen…und warum es so schwierig ist

  1. Augenblickswerte
    Es gibt Augenblickswerte im Leben, die wirklich sehr wertvoll sind.
    Dann gibt es Augenblickswerte, sich als sehr schön anfühlen und
    aufzeigen. Doch dann ändert sich plötzlich der Status Quo und der
    Wert sinkt auf +/- 0. Sie erweisen sich als Illusionen – like dust in
    the wind.

    „Wenn zwei Falken auf einem Baum sitzen und ein Schwarm Wildenten fliegt vorbei, dann sagt auch nicht ein Falke zum andern:“Schau, da fliegt die Mehrheit, das muss der richtige Weg sein, schließen wir uns an!“ Sie werden weiterhin als Falken dem Weg der Falken folgen.“
    (unbekannt)

  2. Pingback: Loslassen…und warum es so schwierig ist … Veröffentlicht von Me Agape | haluise

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